Für das Geburtstagskind
Oh Blume, die du über vielem schwebst,
nie ganz gefangener Duft der Erdendinge, -
du reiner Hauch, der du der Seele Schwinge
zu immer neuen Flügen hebst, -
der du uns ahnen lässest unter Schauern,
wie hoch wir Menschen unser Bild erhoben,
und über träghen Stoffes dumpfen Trauern,
den Isisschleier einer Gottheit woben.
Christian Morgenstern
Ein bischen Friede und weniger Streit,
etwas mehr Güte und weniger Neid,
auch viel mehr Wahrheit immerdar,
und viel mehr Hilfe bei Gefahr,
ein bisschen mehr "WIR" un weniger "ICH"
ein bisschen mehr Kraft, nicht so zimperlich
und viel mehr Blumen w$hrend des Lebens,
denn auf den Gräbern sind sie vergebens.
Strahlt durch Maienlüfte einer Blume Schein,
freu' dich ihrer Düfte, ist sie auch nicht dein.
Ob auf deinen Zügen du sie nie erstrebt,
lass dir's dran genügen, dass die Freude lebt.
Sind auch deine Tage trüb und unbekränzt,
hast du Mut zur Klage, wo ein Lächeln glänzt?
Betty Paoli
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend dem Allter weicht, blüht jede Lebensstufe, blüht jede Weisheit auch und jede Tugend zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne, um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in andre, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Hermann Hesse
An Rosen such ich mein Vergnügen, an Rosen die die Herzen zieht, an Rosen, die den Frost besiegen und hier das ganze Jahr durch blühn, an Rosen, die wir bei den Linden sonst nirgends leicht so reizend finden.
Die Rose trägt das Blut der Götter und ist der Blumen Königin, ihr Antlitz sticht das schönste Wetter und selbst Aurorens Wangen hin. Sie ist ein Stern der milden Erden und kann von nichts verfinstert werden.
Johann Christian Günther
